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Historie der Curia

Was dieser Ort durchlebte.

Über Jahrhunderte verband dieser Ort Menschen, Existenzen und Schicksale. Seine Geschichte war verwoben mit wirtschaftlichem Aufstieg, politischem Einfluss und jähen Abstürzen.

Menschen · Besitz · Fortschritt · Einfluss · Zuflucht
In wenigen Zeilen

Von Pest und Brand gezeichnet.

Als Bielersches Freigut neu aufgebaut.

Zum Sitz einflussreicher Großgrundbesitzer geworden.

Mit wirtschaftlichem Fortschritt und Politik im Fürstentum Anhalt eng verflochten.

Und schließlich mit adeligem Blut vereint.

Eine Spur reicht bis zum 20. Juli 1944 — und zu Stauffenbergs Attentat.

Von Mord, Erbstreit und Krieg erschüttert.

Enteignet — und seiner bisherigen Ordnung beraubt.

Zuflucht für bis zu 14 Familien.

Stützpunkt in der sowjetischen Besatzungszeit.

Nicht nur Besitzgeschichte

Ein Gutshof mitten im Wandel seiner Zeit.

Die Geschichte der Curia ist keine bloße Folge von Eigentümern. Sie erzählt davon, wie technische Neuerung, landwirtschaftlicher Aufstieg, Familiennetzwerke und politische Stellung ineinandergriffen.

ca. 1770–1808

Der Klein-Paschlebener Ast der Bielers

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begründete sich mit Christoph Gottfried Bieler der im Deutschen Geschlechterbuch geführte Klein-Paschlebener Ast der Familie. Die Bielers gehörten zu einer gut situierten Amtmanns-, Pächter- und Gutsbesitzerfamilie. Aus ihrem Freigut entwickelte sich jener Besitz, der unter den Klepps wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch weit über Kleinpaschleben hinauswirken sollte.

Quellenhinweis: Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 45, Familie Bieler, „Klein-Paschlebener Ast“; Christoph Gottfried Bieler und die nachfolgenden Linien.
Mitte 19. Jahrhundert

Mit Theodor I. Klepp beginnt eine neue Epoche des Gutshofs.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ging das Gut in die Ära der Familie Klepp über. Theodor I. Klepp (1807–1884) steht für die erste sicher greifbare Kleinpaschlebener Generation. Über Adolph Klepp (1846–1900) führte die Linie zu Theodor II. Klepp (1883–1927). Das Gutshaus wurde zum Hauptsitz einer wirtschaftlich starken Familie; aus dem Freigut entstand ein landwirtschaftlicher Großbetrieb mit Bedeutung weit über den Ort hinaus.

Quellenhinweis: genealogische Unterlagen zur Familie Klepp; Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Bau- und Gutsunterlagen zu Oberamtmann Klepp in Kleinpaschleben. Der genaue Rechtsakt des Übergangs Bieler → Klepp liegt nach aktuellem Stand im Zeitraum zwischen 1853 und 1868 und wird in der weiteren Archivarbeit noch präzisiert.
Politik & Einfluss

Der Gutshof rückt in die Sphäre politischer Macht.

Theodor Klepp war Oberamtmann in Kleinpaschleben und gehörte dem Landtag des Herzogtums Anhalt in der Kurie der meistbesteuerten Grundbesitzer an. Wirtschaftliche Stärke wurde damit zu politischem Einfluss — und der Gutshof Teil jener Netzwerke, in denen Besitz, Landwirtschaft und Macht zusammenwirkten.

Quellenhinweis: Landtag des Herzogtums Anhalt, Wahlperiode 1872–1878; Theodor Klepp, Oberamtmann in Klein-Paschleben, Kurie der meistbesteuerten Grundbesitzer.
Fortschritt

Hier wurde Zukunft ausprobiert — und angewandt.

Die Klepps standen technischen Neuerungen auffallend offen gegenüber. 1882 berichtete A. Klepp aus Kleinpaschleben über die Patent-Hackmaschine „Saxonia“ und ihren Einsatz beim Rübenhacken. Fortschritt blieb hier nicht Theorie: Neue Technik wurde erprobt und in den Betrieb übernommen.

Quellenhinweis: „Der Landwirt“, 1882, Bericht von A. Klepp, Gutsbesitzer in Kleinpaschleben, zur Patent-Hackmaschine „Saxonia“.
Zuckerrüben & Industrie

Vom Acker in die Industrie.

Der Zuckerrübenanbau wurde zu einem Motor der anhaltischen Landwirtschaft. Über die enge Verbindung zur Familie Türcke in Frenz war Klepp auch in die entstehende Zuckerindustrie eingebunden. Nach der Frenzer Chronik hielt die Familie Anteile an einer Zuckerfabrik. Landwirtschaft, Verarbeitung und Kapital griffen damit unmittelbar ineinander.

Quellenhinweis: Chronik von Frenz, Peter Steinke, 2009; ergänzende Überlieferung zur Zuckerfabrik Biendorf und zur Rolle der Familie Türcke.
Frenz & Türcke

Frenz und Kleinpaschleben waren familiär und wirtschaftlich verbunden.

Die Verbindung nach Frenz war nachweislich familiär. Theodor I. Klepps erste Ehefrau war Amalie Klepp, geb. Keller; auch die Familie Türcke war über eine geborene Keller verbunden. Bestattungen im privaten Begräbnisgarten des Ritterguts Frenz machen diese Nähe sichtbar. Familie, Besitz und wirtschaftliche Interessen bildeten hier ein gemeinsames Netzwerk.

Quellenhinweis: Frenzer Familien- und Ortschronik sowie die belegten Bestattungen im privaten Begräbnisgarten des Ritterguts Frenz; genealogische Verbindung über die Familie Keller.
1927

Ein Mord erschüttert den Gutshof.

Theodor II. Klepp (1883–1927) führte den Gutsbetrieb in einer späteren Generation weiter. 1927 wurde er auf einer nächtlichen Kutschfahrt erschossen; zwei seiner Söhne wurden verletzt. Der Täter handelte nach damaligen Presseberichten aus Rache. Der Mord wurde zu einem der dramatischsten Einschnitte der Familien- und Gutsgeschichte.

Quellenhinweis: zeitgenössische Presseberichte vom Juni und November 1927; genealogischer Stammbaum der Familie Klepp. Dort ist der 1927 ermordete Gutsbesitzer ausdrücklich als Theodor II. Klepp (1883–1927) geführt. Der Stammbaum wird von einer Nachfahrin der Familie, Andrea Stöckel, gepflegt.
Klepp & von Bila

Der Gutshof verbindet sich mit altem Adel.

Brigitte Klepp heiratete Otto-Heinrich Ernst Alexander Herdegen von Bila. Damit verband sich die Kleinpaschlebener Gutsbesitzerfamilie mit einem alten thüringischen Uradelsgeschlecht. Die kirchliche Trauung fand 1938 in Paschleben statt — eine Verbindung, die die Geschichte des Gutshofs später auch mit dem Widerstand des 20. Juli berühren sollte.

Quellenhinweis: Familienüberlieferung und genealogische Unterlagen zu Brigitte Klepp (*24.01.1919) und Otto-Heinrich von Bila; Trauung 09.07.1938 in Paschleben.
20. Juli 1944

Der 20. Juli 1944 rückt bis in die unmittelbare Nachbarschaft der Curia.

Otto-Heinrich von Bila gehörte zum Umfeld des Widerstands vom 20. Juli 1944. Nach der Familienchronik „Über alle Grenzen hinweg“ fand er nach dem gescheiterten Attentat Zuflucht in einer Klepp’schen Jagdhütte bei Gerbitz — nur wenige Kilometer vom Hauptsitz der Familie Klepp in Kleinpaschleben entfernt.

Quellenhinweis: Wolf von Bila, „Über alle Grenzen hinweg. 800 Jahre Heimat am Harz – die Familie von Bila im Harz und in der Goldenen Aue“, 1989; ergänzend zeitgenössische bzw. biografische Überlieferung zu Otto-Heinrich von Bila.
1945 · Enteignung

Enteignung beendet die alte Besitzordnung.

Mit Bodenreform und Enteignung endete 1945 die über Generationen gewachsene Verbindung von Familie, Besitz und Gutshof abrupt. Der private Hauptsitz verlor seine bisherige Funktion; Haus, Hof und Wirtschaftsflächen wurden Teil einer vollkommen neuen Ordnung.

Quellenhinweis: Überlieferung zur Bodenreform 1945; einschlägige Bodenreform- und Verwaltungsakten im Landesarchiv Sachsen-Anhalt.
Flüchtlingsunterkunft

Aus Herrensitz wird Zuflucht.

Nach Krieg und Enteignung veränderte sich das Gutshaus radikal. Zeitweise lebten hier bis zu 14 Familien. Aus Räumen der Repräsentation wurden Wohnräume — und aus dem früheren Hauptsitz ein Ort der Zuflucht und des Neubeginns.

Sowjetische Besatzungszeit

Sowjetische Präsenz im Gutshof.

Nach örtlicher Überlieferung wurde der Gutshof in der sowjetischen Besatzungszeit als Kommandanten- beziehungsweise Inspektorenstützpunkt genutzt. Sowjetische Angehörige lebten auch im Gutshaus selbst. Wieder erhielt der Ort eine völlig neue Funktion.

Quellenhinweis: örtliche Überlieferung zur Nachkriegs- und Besatzungszeit; die konkrete administrative Nutzung wird in der weiteren Archivarbeit noch vertieft.

Hier wurde nicht nur Geschichte erlebt.
Hier wurde Zukunft ausprobiert und angewandt.

Neue Maschinen, neue Anbaumethoden, neue Märkte: Landwirtschaft wurde Wirtschaft — und Wirtschaft wurde Einfluss. Später folgten Verlust, Enteignung, Zuflucht und Neubeginn.

Gerade deshalb soll die Curia heute nicht stillstehen. Aus historischer Tiefe entsteht ein neuer Ort der Begegnung — für Kultur, Feste und Augenblicke, die Menschen miteinander verbinden.

Geschichte im Rücken. Zukunft im Blick.
Skizze der Curia Paschleben
Relief der Curia Paschleben

Quellen & Überlieferung

Die Historie verbindet archivalisch belegte Angaben mit örtlicher und familiärer Überlieferung. Für eine spätere wissenschaftliche Langfassung können die Einzelnachweise weiter ausgebaut werden.

Was bleibt, sind nicht nur Mauern.

Es sind die Geschichten der Menschen, die diesen Ort geprägt haben — und die Geschichten, die wir auf dem Gutshof neu schreiben werden: in Würde und Beharrlichkeit.

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Wo der Moment zählt.